I like to move it … Agilität bei real.digital

Teil 1/2: Köln und Mönchengladbach

Agilität geistert als Buzzword längst nicht mehr nur durch die IT – als Unternehmensstrategie verspricht es die Möglichkeit, schnell und adäquat auf ein Umfeld zu reagieren, das sich im stetigen Wandel befindet und sichere Voraussagen schwer bis unmöglich macht. Wir wollten von unseren Kollegen wissen, was Agilität für sie bedeutet und wie ihre tägliche Arbeit davon beeinflusst wird.

Richard, Standort Köln

 

  • Heilpraktiker für Informatik (Agile Coach)

 

  • „Mein Ziel ist es, mich am Ende überflüssig zu machen: Ich stelle an mich selbst den Anspruch, dass ein Team langfristig auch ohne mich funktioniert.“

 

  • Seit Juli 2018 bei real.digital

Was bedeutet Agilität für dich?

Der Begriff ist mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen verknüpft. Für mich ist Agilität als unternehmerische Wendigkeit vor allem die Antwort auf eine steigende Komplexität und Ungewissheit innerhalb und außerhalb von Unternehmen. Agil zu sein heißt, häufig und verlässlich einen Wert zu liefern, dabei aber auch jederzeit auf neue Erkenntnisse zu reagieren, die man durch regelmäßiges Feedback gewinnt.

Innerhalb der Arbeitsorganisation konzentriert sich die Agilität auf die Optimierung der Arbeits- und Liegezeit. Bei dem Framework Scrum geht es unter anderem darum, sich niemals mehr vorzunehmen, als innerhalb eines Monats zu schaffen ist, und sich auf einige wenige Arbeitspakete zu fokussieren. Zudem sollen alle benötigten Skills, die von der Idee bis zum Wert benötigt werden, innerhalb des jeweiligen Teams verfügbar sein, sodass nie auf jemanden „von außen“ gewartet werden muss. Hierdurch lassen sich die Liegezeiten enorm reduzieren, während ein stetiger Informationsfluss aufrechterhalten wird.

Motivation ist übrigens auch ein wichtiger Aspekt, um die für einen Vorgang aufgewandte Zeit zu senken …

… Und da kommt der Agile Coach ins Spiel?

Auch. Ein Agile Coach ist jemand, der anderen dabei hilft, agiler zu werden. Das kann sich an Individuen ebenso richten wie an Gruppen. Steht beispielsweise eine Person im Vordergrund, tritt der Agile Coach entweder als Mentor oder als Coach auf. Während der Mentor tatsächlich Inhalte vermittelt, kommt dem Coach eher die Aufgabe zu, bereits vorhandenes Wissen eines Menschen zu nutzen, aber neue Wege des Umgangs damit aufzuzeigen. Das gefällt mir auch am besten an meiner Position: Die Menschen, die ich begleite, nehmen langfristig etwas davon mit, und das nicht nur im beruflichen Umfeld.

Bei meiner täglichen Arbeit ist es besonders wichtig, von Anfang an gute Gewohnheiten mit dem Team aufzubauen. Dabei spielt der Aspekt der Motivation tatsächlich eine Rolle: Mit unkonventionellen und oftmals spielerischen Ansätzen lässt sich Agilität hervorragend umsetzen, da diese neue Perspektiven aufzeigen, die Menschen aus ihrem gewohnten Trott herausholen und die Atmosphäre auflockern.

Wenn ich beispielsweise ein Meeting in einem Stuhlkreis veranstalte oder mit bunten Klebezetteln auf einer Wand arbeite, gibt es gelegentlich irritierte Blicke oder ich werde gefragt, inwieweit das alles überhaupt zweckführend sei. Deswegen bezeichne ich mich auch als „Heilpraktiker für Informatik“ – als leicht selbstironische Antwort auf solche Kritik.

Das Team, das Richard gerade als Agile Coach begleitet, trifft sich jeden Morgen und organisiert die Arbeit, die an diesem Tag ansteht.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag oder eine typische Arbeitswoche von dir aus?

Meine Woche ist in der Regel zweigeteilt. Die erste Hälfte arbeite ich mit meinem Team. Ganz am Anfang haben wir die Themen und Arbeitsschritte mit Zetteln an die Wand geklebt. Auf dieser Grundlage fanden und finden unsere täglichen Meetings statt, bei denen wir prüfen, wo es Veränderungen oder vielleicht sogar eine Stagnation gibt. Dann wird geklärt, wie wir in den nächsten Stunden weiterarbeiten.

Anfangs war dafür etwa eine halbe Stunde anberaumt, mittlerweile schaffen wir das auch innerhalb von 15 Minuten. Ich verfolge, wie sich die Kommunikation und Entscheidungsfindung gestaltet, und bringe gegebenenfalls Verbesserungen ein.

Ansonsten beobachte und moderiere ich Workshops und begleite die Produktverantwortlichen.

Die restliche Zeit versuche ich, die Agilität breiter im Unternehmen zu streuen. Dabei arbeite ich viel mit unseren Führungskräften zusammen und stehe in den unterschiedlichsten Bereichen wie ein interner Dienstleister für Trainings und Moderationen zur Verfügung.

 

Scrum oder Kanban – welches Framework setzt du lieber ein?

Es kommt darauf an: Kanban ermöglicht eine eher fließende Transformation zu mehr Agilität, im Kern geht es dabei um einen respektvollen Umgang mit allen Strukturen und Prozessen, die bereits vorhanden sind. Dagegen setzt Scrum einen deutlich radikaleren Schnitt zum bisherigen Status quo, weshalb sein Einsatz besonders bei jungen Unternehmen oder bei neuen Teamgründungen innerhalb der Firma sinnvoll ist.

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Otto, Standort Mönchengladbach

 

  • Head of Operations

 

  • „Agile Menschen denken nicht in Rollen und Hierarchien, sie denken in Aufgaben und Lösungen.“

 

  • Seit 2013 bei der Agentur WFP2 vor allem für real zuständig, im August 2018 wurde diese als real Digital Agency in die Familie von real.digital aufgenommen

Welche Aufgaben übernimmst du bei real.digital?

Meine Bezeichnung lautet „Head of Operations“, was faktisch bedeutet, dass ich gemeinsam mit der Geschäftsführung die komplette Produktion bei uns am Standort Mönchengladbach verantworte.

Unsere Teams sind wie an den anderen Standorten in einer Matrix-Organisation, also interdisziplinär und crossfunktional, aufgestellt. Ich sorge gemeinsam mit Sven (Operations Manager) dafür, dass sie alles Nötige erhalten, um gut arbeiten und ihre Ziele erreichen zu können. Darüber hinaus sind wir für Priorisierungen innerhalb und zwischen den Teams zuständig. Wenn eine Entscheidung nicht vom Team selbst getroffen werden kann, weil alle Perspektiven valide und gleichwertig sind, wenden sich die Teamleiter, Product Owner oder technischen Verantwortlichen an uns, damit wir gemeinsam zu einem Ergebnis kommen.

 

Was macht Agilität für dich aus?

Leider wurde die Begrifflichkeit in den letzten Jahren häufig im falschen Kontext verwendet und nicht vollends verstanden. Ganz oft wird Agilität sogar mit den agilen Frameworks (Scrum, Kanban etc.) gleichgesetzt, was schlichtweg verkehrt ist.

Für mich ist Agilität eine Kultur, eine Einstellung. Agile Menschen sind offen für Veränderungen, begrüßen diese und wissen, dass das in unserer Branche unabdingbar ist. Sie versuchen sich und andere immer zu verbessern (Kaizen) und liefern stetig eine Wertsteigerung für das Team, für das Produkt und somit für die Kunden. Zudem arbeiten sie lösungsorientiert und warten nicht darauf, dass jemand anderes ein Problem für sie bewältigt. Agility beinhaltet für mich aber auch, die Menschen in den Vordergrund zu stellen anstatt Strukturen oder Prozesse. Agile Unternehmen und Strukturen wiederum tun alles, damit sich diese Individuen entfalten und ihre Agilität (aus-)leben können, denn nur dann profitieren alle davon.

An deinem Standort in Mönchengladbach gibt es keinen Agile Coach – schlüpfst du aufgrund deiner Expertise gelegentlich in diese Rolle?

Ich sehe das als eine der zentralen Aufgaben meiner Position als Head of Operations an. Da ich mitunter für die Strukturen zuständig bin, sorge ich dafür, dass Agility überhaupt eine Chance hat, sich zu entwickeln. In unserem Team haben schon viele die Vorteile der Agilität für sich erkannt: Sie coachen andere Kollegen oder tauschen sich mit diesen aus.

Mein Wunsch wäre es trotzdem, dass wir irgendwann in jedem Team eine Person haben, die sich schwerpunktmäßig mit der Thematik beschäftigt und immer wieder eine entsprechende Perspektive an das Team heranträgt.

 

Laut LinkedIn bist du zertifizierter Scrum Master. Kann ich davon ausgehen, dass du Scrum besser findest als Kanban oder hängt das vom jeweiligen Verwendungszweck ab?

Ich mag die in Deutschland meist vorherrschende Meinung nicht, dass man nur etwas kann, wenn man zertifiziert ist. Leider wird man aber manchmal nur dann ernst genommen. Aus diesem Grund habe ich vor langer Zeit diese Zertifizierung gemacht. Dabei hatte ich das Glück, auf sehr interessante Leute zu treffen. Durch den intensiven Austausch konnte man schlussendlich viel lernen und mitnehmen, während die Zertifizierung selbst zweitrangig für mich war.

Aber, um die Frage zu beantworten: Ich ziehe keines der Frameworks vor. Sie sind super als Anhaltspunkt, aber wenn man sich nur darauf beschränkt und nichts hinterfragt oder sich nicht weiterentwickelt, ist man bereits vom Weg der Agilität abgekommen. Egal welches Framework – wenn es für das Team funktioniert, gute Ergebnisse liefert und stetig angepasst wird, dann ist es das “richtige” Gerüst.

Du findest das Thema Agilität spannend? Wir auch! Daher haben wir noch weitere Kollegen zu diesem Thema befragt. Hier geht es zum zweiten Teil des Beitrags.
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