I like to move it … Agilität bei real.digital

Teil 2/2: Düsseldorf und Köln

In unserem ersten Beitrag zum Thema Agilität sprachen wir mit Kollegen aus Köln und Mönchengladbach. Bei all den kleineren und größeren Unterschieden stach eine Gemeinsamkeit heraus: Das Konzept Agility stellt den Menschen und seine Entwicklungsfähigkeit in den Mittelpunkt. Wie sieht das an unserem Standort in Düsseldorf aus und was sagt unser zweiter Agile Coach in Köln dazu?

Michael, Standort Düsseldorf

 

  • Head of Engineering – E-Food

 

  • „Die permanente Anpassung an den Kontext und an äußere Einflüsse ist für mich eine der wesentlichen Voraussetzungen für langfristigen Erfolg.“

 

  • Seit Juni 2017 bei real.digital

Wie sehen deine Aufgaben bei real.digital aus?

Ich bin zusammen mit einer sehr erfahrenen Kollegin für den Tech-Bereich in Düsseldorf verantwortlich. Hier entwickeln wir maßgeschneiderte Software für unseren Lebensmittelshop, aber auch für unsere Kollegen in den Märkten und im Callcenter. Darüber hinaus betreiben wir die Server in der Cloud und stellen sicher, dass alles stabil und schnell läuft.

 

Unser Standort in Düsseldorf sucht derzeit nach einem Agile Coach. Wie wird Agilität bislang dort umgesetzt?

Als wir vor drei Jahren mit drei Entwicklern begonnen haben, schafften wir bereits die Voraussetzungen für eine konsequente agile Methodik. Seit der ersten Zeile Code arbeiten wir in den Teams agil. In den meisten der sieben Teams wenden wir Scrum an, im Infrastruktur-Team und innerhalb der einzelnen Entwicklerteams arbeiten wir dagegen mit Kanban.

Wir hatten großes Glück, von Anfang an erfahrene Coaches und Scrum Master an Bord zu haben, die uns mit zahlreichen nützlichen Tipps und Werkzeugen zur Seite standen. Zwei Jahre später und mit mittlerweile mehr als 40 Kollegen in der Entwicklung mussten und müssen natürlich einige Aspekte angepasst werden. Dynamisches Wachstum bedeutet in der Konsequenz eine dynamische Anpassung an das Umfeld, um sich die Agilität bestmöglich beizubehalten.

 

Was macht Agilität für dich aus?

Ich kann bei einer agilen Vorgehensweise viele Parallelen zu einem Marathon erkennen, wenngleich die agilen Zyklen “Sprints” heißen. Jeder Sprint gleicht einem von vielen, vielen langen Kilometern. Den letzten Kilometer wirst du nur dann schaffen, wenn du die vorangegangenen Kilometer richtig eingeschätzt hast. Überschätzt du Dich, wirst du zu schnell und zu früh über dein Limit gehen und das Ziel nicht erreichen. Wenn du nicht ambitioniert genug vorgehst, werden dich andere überholen. Am Ende eines jeden Kilometers prüfst du Deinen Puls, deine Zeit, deine Verfassung. Du entscheidest, wie du die nächsten Kilometer angehen willst.

Im agilen Umfeld führst du am Anfang eines beispielsweise zweiwöchigen Sprints eine Planung durch, wo du als Team nach 14 Tagen stehen möchtest. Am Ende vergleichst du das mit der Realität, besprichst im Team Ursachen für etwaige Abweichungen und berücksichtigst diese Erkenntnisse in der Planung des nächsten Sprints.

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Wie verändert ein Agile Coach die tägliche Arbeit?

Da bleibe ich noch etwas bei der Metapher von eben. Es gibt Tage, an denen nicht alles klappt und oft fällt es schwer, sachliche Ursachenforschung nur aus sich selbst heraus zu betreiben. Ein Agile Coach beobachtet viele Faktoren, die du vielleicht gar nicht so wahrnimmst oder für nicht relevant hältst. Sie werden mit dem Coach im Team diskutiert und beim nächsten Sprint berücksichtigt.

Ein guter Agile Coach erkennt, wodurch man wertvolle Zeit verliert. Beim Marathon sind das beispielsweise die falsche Technik und ungeeignetes Material. In der Softwareentwicklung können dafür unter anderem eine ungenügende Abdeckung durch automatische Tests oder träge Prozesse im Bau und in der Installation verantwortlich sein. Der Coach kümmert sich darum, diese störenden Einflüsse Schritt für Schritt zu beseitigen.

 

Welche Chancen siehst du in der Agilität für die weitere Entwicklung von real.digital allgemein und besonders für den Standort in Düsseldorf?

Eine dynamische Wachstumsstrategie wie bei real.digital kann nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn die tägliche Arbeit nicht von Abhängigkeiten zwischen den Teams erschwert wird. Sie sollten autonom und selbstbestimmt in dem für sie idealen Tempo unterwegs sein. Andernfalls müssen, wenn man beim Marathon-Vergleich bleibt, entweder alle Teams in etwas mehr als zwei Stunden im Ziel sein oder sich an die bequemste Zeit anpassen.

Agilität ermöglicht es den beteiligten Teams, langfristig die richtige Taktik und Geschwindigkeit zu finden und sogar zu verbessern. Man würde zunächst trainieren, Testläufe absolvieren und evaluieren. Kurz vor dem langen Lauf bespricht man mit dem Coach, welche Ziele realistisch sind: Sie sollten ambitioniert, aber machbar sein.

Hartog, Standort Köln

 

  • Heilpraktiker für Produktentwicklung (Agile Coach)

 

  • „Agilität beginnt beim Menschen, nicht bei Prozessen!“

 

  • Seit August 2018 bei real.digital

Was bedeutet Agilität für dich?

Agilität ist eine besondere Art des Projektmanagements, bei der man immer davon ausgeht, dass man nicht von Anfang an genau weiß, welches Ergebnis einem am Ende erwartet. Für die meisten Menschen fühlt sich das falsch an, daher ist es als Agile Coach zunächst meine Aufgabe, ihnen diese Herangehensweise zu vermitteln. Ein zweiter Ansatzpunkt ist die Beobachtung und Organisation des Teams.

Ich lebe seit etwa sieben Jahren in Deutschland und habe währenddessen bei drei unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet. Bei real.digital empfing mich zum ersten Mal ein richtig fruchtbarer Boden für Agility, denn ganz viele notwendige Gegebenheiten waren hier schon vorhanden: Zum Beispiel waren die Teams bereits crossfunktional aufgestellt (mit allen Fähigkeiten ausgestattet, die für die Umsetzung eines Projekts benötigt werden) und selbstorganisiert, sodass keine Umstrukturierungen nötig waren.

 

Wie wurdest du zu einem Agile Coach?

Ich habe als Entwickler angefangen und in meiner Zeit als Führungskraft für Entwicklerteams gemerkt, dass es viel einfacher ist und mir persönlich auch deutlich besser gefällt, Menschen zu coachen als zu führen. Als Agile Coach zu arbeiten, war für mich daher die logische Konsequenz aus meinen bisherigen Erfahrungen.

 

Wie sieht deine typische Arbeitswoche bei real.digital aus?

Ein fester Rhythmus hilft bei der Arbeit, daher bin ich immer um einen ähnlichen Aufbau der Arbeit bemüht: Am Montagmorgen wird geplant, was die ganze Woche über zu tun ist. Am darauffolgenden Montag schauen wir uns an, was geklappt hat und was gegebenenfalls nicht geschafft wurde. Die Meetings dauern etwa zwei Stunden.

Außerdem prüfen wir täglich, wo wir innerhalb unserer Wochenplanung stehen und was wir am jeweiligen Tag leisten müssen, um den Wochenplan zu erfüllen. Diese Stand-up-Meetings nehmen aber nur circa 15 Minuten in Anspruch. Mein aktuelles Team begleite ich seit Oktober. Inzwischen pflegen alle Kollegen einen sehr viel bewussteren Umgang mit ihrer Arbeit und – ganz wichtig: Bei ihnen handelt es sich mittlerweile um ein Team und nicht nur um Menschen, die gemeinsam an etwas arbeiten.

Beitragsfoto Agilität
Das tägliche Treffen vor dem Board schärft den Blick dafür, welche Aufgaben es in den nächsten Stunden zu erledigen gilt.

Was magst du besonders an deinem Job?

Vor allem mag ich an meiner Position, dass ich mit Menschen arbeiten kann: Zwar stehen primär die Teams im Vordergrund, doch ich sehe natürlich auch die einzelnen Individuen wachsen. Agilität beginnt eben bei Menschen, nicht bei Prozessen!

Ich verstehe mich selbst als Heilpraktiker für Produktentwicklung, weil ich Menschen dazu in die Lage versetzen will, sich innerhalb des Teams verletzlich zu zeigen. Nur indem ich mich angreifbar mache, kann ich für Kritik offen sein. Die eigene Kritik- und Konfliktfähigkeit entwickelt sich oftmals nicht in der Schule oder Universität, sondern erst im Arbeitsleben. Die Überzeugung, dass man aus Kritik viel lernen und sich mit der Hilfe von anderen Menschen verbessern kann, ist für mich ein Grundsatz für erfolgreiches Teamwork.

 

Für einige Kollegen spielt Agility auch im Privatleben eine Rolle – wie ist das bei dir?

Also ich bin schon mal nach Scrum umgezogen, was hervorragend funktioniert hat: Dafür haben wir mit Klebezetteln an einem Board visualisiert, was schon erledigt ist, worum wir uns gerade kümmern und was noch zu tun ist. Mit meinen Kindern entwickle ich so eine Herangehensweise oft ganz spielerisch, zum Beispiel beim Projekt Zimmer aufräumen. Scientific Thinking wird im Alltag ohnehin unterschätzt: Durch kritisches Hinterfragen, Neugier und Experimentierfreudigkeit lassen sich viele Schwierigkeiten aus dem Weg schaffen.

Du findest das Thema Agilität spannend? Wir auch! Daher haben wir zwei weitere Kollegen zu diesem Thema befragt. Hier geht es zum ersten Teil des Beitrags.
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